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Vampire in der Literatur
In den feinen Salons im Paris oder London des 18. Jahrhunderts ist Aberglaube ein viel diskutiertes Thema. Entsprechend fasziniert ist man von dem Mythos des Vampirismus. Sogar Voltaire und die Verfasser der ersten Enzyklopädien nehmen den Begriff "Vampir" in ihre Nachschlagewerke auf. Goethe widmet dem Vampir 1797 seine Ballade ,Die Braut von Korinth'. In seinem Gedicht erlebt ein verstorbenes Mädchen ihre erste Liebesnacht mit einem jungen Mann.
Der Siegeszug des Vampirs in der Belletristik beginnt allerdings erst etwas später. 1816 verbringen die Dichter Lord Byron, Percy, Mary Shelley und Byrons Leibarzt John Polidori einige Zeit am Genfer See. Aus Langeweile beginnt die Gesellschaft, sich Geschichten auszudenken und in der Runde zu erzählen. Eine davon ist die von Frankenstein. Eine weitere eine Vampirgeschichte von Byron. Polidori schreibt diese Geschichte nieder und sie wird ein großer Publikumserfolg. Ein französischer Autor macht aus diesem Londoner Vampir dann später einen durch ganz Europa reisenden Adligen mit einer unstillbaren Gier auf den Lebenssaft. Auf der Bühne taucht bald darauf ein schottischer Vampir in stilechten Tartans und Kilt auf. Das Vampirfieber erreicht 1846/47 einen ersten Höhepunkt, als der Fortsetzungsroman ,Varney, the Vampyre or The Feast of Blood' von Malcom Rymer erscheint. Viele seiner Bilder sind fester Bestandteil des Vampirmythos geworden. Jeder verbindet heute offene Grüfte und nächtliche Friedhöfe mit Vampirgeschichten. Der Dubliner Autor Joseph Sheridan Le Fanu fügt dem Vampirmythos eine weitere Komponente zu. Er stellt mit seiner romantischen Erzählung ,Carmilla' (1872) das Verbotene der Erotik in den Vordergrund und erzählt von einer zerstörerischen Liebesbeziehung zwischen der Titelheldin und einer Gräfin aus der Steiermark.
Der bis heute wohl bekannteste Vampirroman ist Bram Stokers ,Dracula', der 1897 erscheint. Stoker schafft durch seinen atmosphärisch dichten Spannungsaufbau einen mystischen Antihelden, der seither die Folie für beinahe alle weiteren Vampire in der Literatur darstellt: Der Untote ohne Spiegelbild, voller Gier nach vornehmlich jungen Frauen. Es braucht Jahrzehnte, bis nennenswerte Nachfolger des Grafen Dracula die literarische Welt bevölkerten. ,I am Legend', ein Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Richard Matheson, erscheint 1954. Das Werk beschreibt den Überlebenskampf des letzten Menschen in einer Welt voller Vampire. 1975 beschert Stephen King seinen Leserschaft ,Brennen muss Salem'. In diesem Roman sucht ein Vampir eine Kleinstadt in Maine heim. Ein Jahr später veröffentlicht Anne Rice ihren mittlerweile legendären Roman ,Interview mit einem Vampir'. Der immense Erfolg dieses Romans veranlasst die Autorin, bis 2003 insgesamt zwölf Bände ihrer ,Chronik der Vampire' zu verfassen, alle werden zu Bestsellern. Der Vampir ist aber nicht nur in Westeuropa fester Bestandteil der Lesekultur geworden. Der russische Autor Sergej Lukianenko hat mit seiner ,Wächter'-Reihe (Band 1: ,Wächter der Nacht', 1998) eine international erfolgreiche Reihe geschaffen, in der Vampire als Vertreter der "dunklen Seite" auftauchen.
Dass der Vampir auch das Zeug zum Spielgefährten im Kinderzimmer hat beweist 1979 ,Der kleine Vampir' von Angela Sommer-Bodenburg. Für etwas gruselwilligere Teenager hat Darren Shan mittlerweile zwölf Romane über einen Jungen verfasst, der zum Vampir wird und sich unter anderen Jugendlichen behaupten muss. Der erste trägt den vielsagenden Titel ,Der Mitternachtszirkus' (2000). Zurzeit feiert die amerikanische Jugendbuchautorin Stephenie Meyer mit ihrer ,Bis(s)'-Reihe Erfolge, in der es um die Erlebnisse der Highschool-Schülerin Bella und ihres Vampir-Freundes Edward geht. Der erste der bisher drei Bände ,Bis(s) zum Morgengrauen' erscheint 2005. Alle drei Bände sind in der Spiegel-Bestsellerliste vertreten.
Auch im Comic-Regal ist der Vampir längst zu Hause: Bevor ,Blade' und ,Van Helsing' den Weg ins Kino fanden, waren sie längst Kollegen von Superman, Spiderman und Company.
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